Hesse inspiriert „Servant Leadership“ in den USA

Hesse inspiriert „Servant Leadership“ in den USA

Es war ein Hesse. Genauer gesagt, der Hesse. Der Hermann Hesse. Und zwar mit seiner Erzählung „Die Morgenlandfahrt“ aus dem Jahre 1932.

Diese Erzählung inspirierte Robert K. Greenleaf tief greifend und er kam zur Einsicht, dass große Führungspersönlichkeiten primär Diener sind und sich hierin das Geheimnis ihrer Größe verbirgt. Der Begriff Servant Leadership war geboren. (Quelle: www.greenleafcenter.de)

„Die Morgenlandfahrt“ handelt von einer Entdeckungsreise in ein imaginäres Reich, über Orts- und Zeitgrenzen hinweg.

Unser Morgenland war nicht nur ein Land und etwas Geographisches, sondern es war die Heimat und Jugend der Seele, es war das Überall und Nirgends, war das Einswerden aller Zeiten. (S. 28).

Die Geschichte spielt sich zwischen Traum und Wirklichkeit ab. Der Ich-Erzähler Hesse ist Teil der imaginären Reisegruppe der Morgenlandfahrer. Eine besondere Rolle kommt in der Erzählung dem Diener Leo zu, der die Gruppe begleitet. Er war ein freiwilliger Diener, der seine Arbeit gerne und fröhlich tat (S. 26).
Auf einmal verschwindet Leo. Das hat weit reichende Konsequenzen: „es drohte alles seinen Wert, seinen Sinn zu verlieren: unsere Kameradschaft, unser Glaube, unser Schwur, unsere Morgenlandfahrt, unser ganzes Leben.“ (S. 37) „Kaum hatte Leo uns verlassen, so waren Glaube und Einmütigkeit unter uns zu Ende.“ (S. 98)
Der Erzähler Hesse findet Leo wieder. Leo führt Hesse – „ganz Führer, ganz Diener seines Auftrags“ (S. 72) – zum Allerheiligsten des Bundes. Leo entpuppt sich schließlich als der Oberste der Oberen, „der einstige Diener und Gepäckträger, der nun an der Spitze des ganzen Bundes stand“ (S. 85).

Larry Spears, der Robert K. Greenleaf viele Jahre begleitet hat, schreibt in dem Vorwort zu seinem Buch „The Power of Servant Leadership„, in welchem er die wesentliche Erkenntnisse Greenleafs zusammenträgt:

After reading this story, Greenleaf concluded that the central meaning of it was that the great leader is first experienced as a servant to others, and that this simple fact is central to his or her greatness. True leadership emerges from those whose primary motivation is a desire to help others. (S. 4)

Hesses Morgenlandfahrt inspirierte Greenleaf zu der Erkenntnis, dass große Leiterpersönlichkeiten zuallererst in Erscheinung treten als solche, die anderen dienen und dass genau diese Tatsache von zentraler Bedeutung für ihre Größe ihr. Wahre Leiterschaft erlebt man dort, wo die vorrangige Motivation darin besteht, anderen zu helfen.
Greenleaf vertieft diese Gedanken dann, bringt sie mit seinen Managementerfahrungen bei AT&T in Verbindung und entwickelt eine Vielfalt von Konzepten und praktischen Anwendungen, die später unter dem Begriff „Servant Leadership“ zunehmend Beachtung und Anwender finden, in den USA und dann auch in Europa und in Deutschland. Back to the Roots:-)