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Beschneiden tut erst weh und später gut

3. Februar 2018

An einem Wochenende im Frühjahr war ich in unserem Garten. Eine der Rosen – eine so genannte Bodendeckerrose – musste umgesetzt werden. Andere schnell wachsende Sträucher hatten ihr das Licht zum Wachsen genommen. Sie war vom Aus- oder besser Absterben bedroht. Ich hatte die Wahl zwischen Rose umsetzen oder die benachbarten Sträucher radikal beschneiden. Da die anderen Sträucher aber eigentlich am richtigen Platz waren und auch als Sichtschutz zur Straße hin dienen, musste die Rose weichen. Ich suchte ihr einen schönen sonnigen Platz mit viel Wachstumspotential und in guter pflanzlicher Nachbarschaft. Zuerst wurde das neue Pflanzloch ausgehoben, mit spezieller Rosenerde gefüllt und dann die Rose ausgegraben, dort neu eingesetzt und kräftig gewässert.

Beim Ausgraben musste ich die “lifeline” der Rose – einen zentimeterdicke Wurzelstrang – kappen. Das tat mir im Herzen weh, aber anders war es nicht möglich, die Rose umzusetzen. Am neuen Platz muss sie nun neue Wurzeln entwickeln.
Das Ausgraben, Umsetzen und Einsetzen war mit einigen Schmerzen für Gärtner und Pflanze verbunden. Die Dornen haben Spuren an meinen Händen und Armen hinterlassen. Es ist dabei richtig Blut geflossen.
Die Rose ließ nach dem Umsetzen auch erst einmal alles hängen. Das Umpflanzen hat sie ganz schön geschafft. Ich hoffe, dass unsere Rose nun schnell wieder neue Wurzeln bildet, sich in die neue Umgebung gut einlebt und dann das Wachstumspotential nutzt, um zu neuer Blüte zu reifen.

Eine Frage hat mich dabei immer wieder bewegt: Warum ist – bei so viel Begleitschmerzen – ein Umsetzen überhaupt sinnvoll?

Meine Antwort: Weil ohne den Eingriff des Gärtners die Pflanze langsam abstirbt. Das kostet zwar weniger sichtbare und sprübare Schmerzen, aber dafür letztlich den langsamen Tod der Pflanze. Und das ist weder für die Pflanze noch für den Garten gut.

Übertragung: Mitarbeiter in neue Aufgaben- oder Arbeitsbereiche zu verpflanzen verursacht Schmerzen. Meistens für beide, den Verantwortlichen und den Mitarbeiter. Gute Vorbereitung ist wichtig und kann die Schmerzen reduzieren und das Einleben erleichtern. Doch selbst bei bester Vorbereitung lassen sich die Schmerzen nicht vermeiden, sondern bestenfalls begrenzen. Umsetzen bringt beides, Schmerzen und Wachstum. Wachstum ohne Schmerzen ist dabei eher die Ausnahme – sprich unnatürlich:-)